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Die "klassischen" Polizeidatenbanken sind "Nachweissysteme", d.h. Verdächtigenkarteien. Sie werden gepflegt, um einen Überblick über die Kriminalakten zu behalten und schnell auf deren wesentliche Inhalte zugreifen zu können. Dazu gehören die Teildateien von [[INPOL]], die [[POLAS]]-Instanzen oder ihnen entsprechende Entwicklungen auf [[Datenbanken auf Länderebene|Länderebene]]. Der [[Datenbanken der Bundespolizei#BAN|Bundespolizeiaktennachweis]] gehört auch dazu. Zudem gibt es noch die eher [[INPOL#Operativ_und_Dispositiv|dispositiv]] ausgerichteten Finsterdatenbanken aus der [[SpuDok]]-Ecke.
Die "klassischen" Polizeidatenbanken sind "Nachweissysteme", d.h. Verdächtigenkarteien. Sie werden gepflegt, um einen Überblick über die Kriminalakten zu behalten und schnell auf deren wesentliche Inhalte zugreifen zu können. Dazu gehören die Teildateien von [[INPOL]], die [[POLAS]]-Instanzen oder ihnen entsprechende Entwicklungen auf [[Datenbanken auf Länderebene|Länderebene]]. Der [[Datenbanken der Bundespolizei#BAN|Bundespolizeiaktennachweis]] gehört auch dazu.
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Diese Daten aus den beiden beschriebenen Datenbankenarten werden dann mit Hilfe von [[Data Mining]] Programmen bei einzelnen Fällen ausgewertet. Diese Daten (und noch weitere) aus den beiden beschriebenen Datenbankenarten werden dann mit Hilfe von [[Data Mining]] Programmen (Fallbearbeitungssoftware) bei einzelnen Fällen ausgewertet. 
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Die Speicherfristen waren in den Vorgangsverwaltungen zuerst meist nicht (oder nur ungenau) geregelt, da bei der Einführung der Vorgangsverwaltungen der datenschutzrechtliche Aspekt ignoriert wurde. In [[Bayern]] waren z.B. Meldungen vom Typ "Vor meinen Haus plärrt seit 30 Minuten eine Auto-Alarmanlage" noch nach über fünf Jahren über den Namen des/der Meldenden recherchierbar. Inzwischen ist die Speicherfrist auf 1-5 Jahre festgelegt und bei 110 Anrufen wird meist nur 3 Monate gespeichert. Die Speicherfristen waren in den Vorgangsverwaltungen zuerst meist nicht (oder nur ungenau) geregelt, da bei der Einführung der Vorgangsverwaltungen der datenschutzrechtliche Aspekt zum größten Teil ignoriert wurde. In [[Bayern]] waren z.B. Meldungen vom Typ "Vor meinen Haus plärrt seit 30 Minuten eine Auto-Alarmanlage" noch nach über fünf Jahren über den Namen des/der Meldenden recherchierbar. Inzwischen ist die Speicherfrist auf 1-5 Jahre festgelegt und 110 Anrufen werden meist nur noch 3 Monate gespeichert.
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[[Data Mining]] Software soll dazu dienen aus den Datenmengen das Wesentliche zu extrahieren. Von den Kriminalbeamten wird dafür meist der Begriff Fallbearbeitungssoftware verwendet. In der Regel werden zur Fallbearbeitung Daten aus der Vorgangsverarbeitung, den Nachweisakten und zusätzlich noch weitere Daten, wie z.B. die registrierten Handys einer Funkzellen an einem Tatort, [[Vorratsdaten]] (wenn erlaubt) oder sonstiger durch [[Überwachungstechnik]] gesammelter Daten, ausgewertet. Teilweise stellen einige Vorgangsverwaltungen auch schon einige Verknüpfungen her, die Übergänge von der Vorgangsverwaltung zu Data-Mining Programmen sind daher fließend. [[Data Mining]] Software soll dazu dienen aus den Datenmengen das Wesentliche zu extrahieren. Von den Kriminalbeamten wird dafür meist der Begriff Fallbearbeitungssoftware verwendet. In der Regel werden zur Fallbearbeitung Daten aus der Vorgangsverarbeitung, den Nachweisakten und zusätzlich noch weitere Daten, wie z.B. Daten aus [[Privat-Öffentlichen Datenbanken]], [[Privaten Datenbanken]] und sonstiger durch [[Überwachungstechnik]] gesammelter Daten, ausgewertet. Teilweise stellen einige Vorgangsverwaltungen auch schon einige Verknüpfungen her, die Übergänge von der Vorgangsverwaltung zu Data-Mining Programmen sind daher fließend.

Software zur Datenspeicherung auf Landesebene

Dank des Föderalismus ist die Polizei ländersache, daher gibt es auch auf Länderebene unterschiedliche Systeme. Es wird hier versucht eine Übersicht zu geben.

Welche Datenbanken es gibt

Die "klassischen" Polizeidatenbanken sind "Nachweissysteme", d.h. Verdächtigenkarteien. Sie werden gepflegt, um einen Überblick über die Kriminalakten zu behalten und schnell auf deren wesentliche Inhalte zugreifen zu können. Dazu gehören die Teildateien von INPOL, die POLAS-Instanzen oder ihnen entsprechende Entwicklungen auf Länderebene. Der Bundespolizeiaktennachweis gehört auch dazu.

Seit Anfang des Jahrhunderts führen die Behörden zunehmend so genannte Vorgangsverwaltungen (VVen) ein. Bei ihnen ging es ursprünglich darum, die alte Schreibmaschinenwirtschaft durch den Rechner zu ersetzen. Die populärste Software dieser Art, ComVor, verwaltet aber, wie ihre diversen Schwestern, durchaus auch umfangreiche Datenbestände über all die Vorgänge bei der Polizei. Diese bleiben zwischen drei Monaten und fünf Jahren nach Namen recherchierbar. Auf diese Weise bekommen die Behörden eine Größenordnung mehr Daten.

Diese Daten (und noch weitere) aus den beiden beschriebenen Datenbankenarten werden dann mit Hilfe von Data Mining Programmen (Fallbearbeitungssoftware) bei einzelnen Fällen ausgewertet.

Verdächtigenkarteien und Nachweissysteme

In einer Verdächtigenkartei stehen alle Personen, die nach Strafprozessordnung (StPO) verdächtigt oder verurteilt wurden. Allerdings bleiben teilweise auch eingestellte Verfahren in der Datenbank. Zudem stehen inzwischen dort auch Personen, die eine Straftat von erheblicher Bedeutung, nach Meinung der Polizei, in Zukunft begehen werden. Zudem dürfen bei Straftaten von erheblicher Bedeutung dort noch die Personendaten von Kontakt- und Begleitpersonen stehen.

Verwendete Software zur Verdächtigenspeicherung

  • Das Softwaresystem POLAS wird von den meisten Ländern als Verdächtigenkartei inzwischen verwendet.

  • In Bayern wird KAN verwendet.

  • In Berlin und Bremen wird Poliks verwendet (Poliks ist ein integriertes System, d.h. sowohl Nachweis als auch Vorgangverwaltung)

Vorgangsverwaltungen

Vorgangsverwaltungen dienen zur Dokumentation des Arbeitsaltags der Polizei. Hier kommt alles rein, was die Polizeibeamten aufnehmen, wie z.B. Max Mustermann ist mit dem Fahrrad durch die Fußgängerzone gefahren oder Marina Mustermann hat Aufkleber auf eine Laterne geklebt. Dazu kann dann in dem Textteil noch stehen, dass Max Mustermann den Eindruck machte, dass er grundsätzlich etwas gegen die Polizei hat. Diese Fälle werden dann nach Personen suchbar gespeichert. Zudem werden alle Anzeigen (egal ob wahrheitsgemäß oder bloße Denuziation) dort gespeichert, wobei sowohl der Anzeigende als auch der Angezeigte suchbar sind. Zudem werden dort alle 110 Anrufe gespeichert.

Die Speicherfristen waren in den Vorgangsverwaltungen zuerst meist nicht (oder nur ungenau) geregelt, da bei der Einführung der Vorgangsverwaltungen der datenschutzrechtliche Aspekt zum größten Teil ignoriert wurde. In Bayern waren z.B. Meldungen vom Typ "Vor meinen Haus plärrt seit 30 Minuten eine Auto-Alarmanlage" noch nach über fünf Jahren über den Namen des/der Meldenden recherchierbar. Inzwischen ist die Speicherfrist auf 1-5 Jahre festgelegt und 110 Anrufen werden meist nur noch 3 Monate gespeichert.

Gefahren durch Vorgangsverwaltungen

Mit Hilfe von Data Mining Programmen können dann Personen aus den Vorgangsdaten, Verdächtige werden. Wenn z.B. Marina Mustermann Antifa Aufkleber verklebt hatte und in der Nähe sich eine Nazi-Kneipe befindet, welche einige Monate später mit Graffiti verschönert wurde, wird sie zu einer Verdächtigen.

Verwendete Software

Data-Mining Software

Data Mining Software soll dazu dienen aus den Datenmengen das Wesentliche zu extrahieren. Von den Kriminalbeamten wird dafür meist der Begriff Fallbearbeitungssoftware verwendet. In der Regel werden zur Fallbearbeitung Daten aus der Vorgangsverarbeitung, den Nachweisakten und zusätzlich noch weitere Daten, wie z.B. Daten aus Privat-Öffentlichen Datenbanken, Privaten Datenbanken und sonstiger durch Überwachungstechnik gesammelter Daten, ausgewertet. Teilweise stellen einige Vorgangsverwaltungen auch schon einige Verknüpfungen her, die Übergänge von der Vorgangsverwaltung zu Data-Mining Programmen sind daher fließend.

Verwendete Software

  • rsCase ist ein Software-Paket zur "praktische[n] Arbeit im Bereich operativer Ermittlungen von Behörden" und unterstützt "vernetzte Fallbearbeitung, Auswertung und weltweites Incident Reporting" (Produktbeschreibung), das von rola Security Systems für verschiedene Landespolizeien angepasst wurde. In Bayern heißt das entsprechende System z.B. EASY, in Schleswig Holstein Merlin und in NRW CASE. Auch wenn es gerne als Data Mining System angepriesen wird, sind die Fähigkeiten noch nicht besonders weitreichend. Das verkleinert die Problematik, die durch solche Programme entsteht, allerdings nicht. Da die Fehleranfälligkeit bei schlechter Programmierung noch größer ist. Laut Telepolis geht die Vergabepraxis für die Programme nicht besonders koscher ab. Rola bekommt anscheinend die meisten Ausfträge, weil sie gute Beziehungen zum BDK (Bund Deutscher Kriminalbeamter) pflegt und öffentliche Ausschreibungen aus Sicherheitsgründen vermieden werden.

  • SPSS ist ein Data-Mining Programm von IBM, welches von der Hessischen Polizei und vermutlich noch weiteren Ländern verwendet wird.

  • ViCLAS ist eine Teildatenbank von INPOL welche teilweise Data Mining verwendet.

Weitere Infos

Telepolis: Schon heute wissen, was morgen sein wird -- über Trends im Data Mining für die Sicherheitsbehörden